Die Notwendigkeit, sich in den Zeiten des Wertewandels Gedanken zu den ethischen Dimensionen unseres Umganges mit dem Pferd zu machen, dürfte jedem, der sich mit dieser Materie etwas näher befaßt, ersichtlich sein. Unsere Regelwerke, wie Leistungsprüfungsordnung (LPO) und Ausbildungsprüfungsordnung (APO) sowie die Richt- und Leitlinien der verschiedensten Bereiche, geben uns im praktischen Umgang mit dem Pferd sicherlich wertvolle Hilfestellungen. Für die Bewußtmachung der ethischen Maßstäbe unseres Handelns können sie jedoch nur bedingt tauglich sein.
Der hier vorliegende Text unter dem Titel "Die Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes" beinhaltet die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Ethik. Den Mitgliedern dieses Arbeitskreises unter dem Vorsitz von Franz-Karl Peiß gilt vorab ein herzlicher Dank.
Die Notwendigkeit, sich in den Zeiten des Wertewandels Gedanken zu den ethischen Dimensionen unseres Umganges mit dem Pferd zu machen, dürfte jedem, der sich mit dieser Materie etwas näher befaßt, ersichtlich sein. Unsere Regelwerke, wie Leistungsprüfungsordnung (LPO) und Ausbildungsprüfungsordnung (APO) sowie die Richt? und Leitlinien der verschiedensten Bereiche, geben uns im praktischen Umgang mit dem Pferd sicherlich wertvolle Hilfestellungen. Für die Bewußtmachung der ethischen Maßstäbe unseres Handelns können sie jedoch nur bedingt tauglich sein.
Aber auch eine andere Entwicklung unterstreicht die Legitimation des vorliegenden Werkes. Die Anzahl der Menschen, die sich dem Pferd zuwenden, ohne vorher Tierkontakt gehabt zu haben, nimmt ständig zu. So ist es nicht verwunderlich, daß wir immer häufiger die Klage hören, daß die Sensibilisierung für das richtige reiterliche Bewußtsein mehr und mehr verlorengeht. Für viele Menschen, die mit dem Pferd umgehen, ist und bleibt es oft "ein unbekanntes Lebewesen".
Dies war der Grund für die Bildung des Arbeitskreises Ethik, dessen Ergebnisse hier zusammengefaßt sind.
Bei der Vorlage der Ethischen Grundsätze haben sich das Präsidium sowie die Vorstände der Bereiche Zucht, Sport und Persönliche Mitglieder einstimmig zu den Inhalten bekannt. Gleichermaßen haben sich die Fach- und Disziplinausschüsse zu den Ethischen Grundsätzen geäußert.
Ziel muß es nun sein, daß jeder Pferdezüchter, -halter
und -sportler diese ethischen Prinzipien zur Grundlage seines Umganges
mit dem Pferd macht.
Das einstige Steppentier Pferd hat seine Freiheit vor langer Zeit verloren. Natürlichen Lebensraum, in dem das Pferd für seine Nahrungsbeschaffung, für sein Überleben selbst sorgen kann, kennt das Pferd nicht mehr. Selbst die sogenannten Wildpferde, wie sie vereinzelt noch in Europa vorkommen, erhalten sich nur innerhalb ihrer umzäunten Schutzräume.
Die heutigen Lebensbedingungen des Pferdes sind ausschließlich vom Menschen geschaffen und Ergebnis eines langen Zivilisationsprozesses. Der Mensch macht sich das Pferd zunutze und setzt es nach seinen Wünschen in der Zucht, in Freizeit? und Breitensport sowie im Leistungssport ein. Damit übernimmt er Verantwortung für das Pferd.
Zu fragen ist nach den Grenzen des menschlichen Handelns. In welchem Ausmaß darf der Mensch das Pferd für seine Zwecke nutzen? Wo liegen die Grenzen zwischen der naturgegebenen körperlich-psychischen Belastbarkeit des Pferdes und seiner Überforderung? Wie stark dürfen wirtschaftliche Interessen die Nutzung des Pferdes beeinflussen? Inwieweit darf sich der Mensch über die natürlichen Bedürfnisse des Pferdes nach Bewegung, Kontakten zu den Artgenossen und kontinuierlicher Futteraufnahme hinwegsetzen? Wann läuft der Mensch Gefahr, die Achtung vor dem Geschöpf Pferd zu verlieren?
Keine dieser Fragen läßt sich eindeutig und für alle
Pferdefreunde verbindlich beantworten. Zu unterschiedlich sind die subjektiven
Erfahrungen des Einzelnen, des Züchters, des Pferdehalters, des
Freizeit- und Breitensportlers und schließlich des Hochleistungssportlers.
Aber alle diese Fragen machen die ethischen Dimensionen des Verhältnisses
Mensch?Pferd deutlich und münden in die Forderung nach ethischen
Grundsätzen.
Die Faszination Pferd wird subjektiv erlebt: Das Pferd bzw. Pony als
Spielkamerad des Kindes, als treuester Freund der Jugendlichen, als
Sportkamerad des ambitionierten Turnierreiters und ?fahrers, als Freizeitpartner
des Breitensportlers, als Therapeut des Kranken und Behinderten, als
Arbeitspartner des Menschen und nicht zuletzt als Ergebnis engagierter
züchterischer Bemühungen.
Alle Facetten des Umgangs mit dem Pferd spiegeln dieselbe Erfahrung
wider: Der Charakter des Pferdes ist vom Vertrauen zum Menschen sowie
durch Lern und Leistungsbereitschaft geprägt. Ohne diese Charaktermerkmale
wäre die in Jahrtausenden vollzogene Entwicklung des Pferdes zum
heutigen Sport? und Freizeitpartner des Menschen nicht vorstellbar.
Besonders die in Kindheit und Jugend erwachte Zuneigung zum Pferd bleibt in aller Regel ein Leben lang im Menschen verankert. Die Faszination Pferd ist mitunter so stark ausgeprägt, daß Menschen ihre gesamte Existenz, auch die wirtschaftliche, den Pferden widmen.
Der unmittelbare Kontakt des Menschen zum Pferd ist nicht allein ausschlaggebend
für das Interesse am Pferd. Das Bewußtsein vieler Menschen,
daß
Pferde als natürliche Lebewesen in unsere Landschaft gehören
und mancher landwirtschaftlich geprägten Region erst ihr typisches
Gesicht verleihen, ist auch heute vorhanden, ebenso wie das Empfinden
für Schönheit, Kraft, Eleganz und Ästhetik im Erscheinungsbild
dieses Tieres.
Ästhetik ist eines der faszinierenden Merkmale des Pferdesportes. Das von Harmonie zwischen Pferd und Mensch geprägte Bild, das nicht nur im Hochleistungssport, sondern auch im Freizeitsport immer wieder den Betrachter beeindruckt, ist das Ergebnis eines langen Prozesses, in dessen Verlauf Mensch und Pferd Vertrauen zueinander gewinnen.
Das Pferd nimmt in der Kulturgeschichte des Menschen eine herausragende Stellung ein. Erst das Pferd hat dem Menschen die Mobilität verschafft, die die Besiedlung entferntester Regionen und die Kultivierung ganzer Landstriche ermöglichte. Leistungen, besonders aber auch die Leiden des Pferdes im Kriegseinsatz, sollten hier nicht vergessen werden.
Die Wissenschaft konnte nachweisen, daß der Eohippos, die Urform des Pferdes, schon vor 60 Millionen Jahren gelebt hat ? der Mensch dagegen keine fünf Prozent dieser Zeitspanne. Vor etwa 10.000 Jahren besiedelten Wildpferde den europäischen Kontinent. Vor vergleichsweise kurzer Zeit ? erst um 3.000 v. Christus ? vollzog sich eine tiefgreifende und folgenschwere Wandlung: Aus dem einstigen Beutetier Pferd entwickelte der Mensch das Reit? und Wagenpferd. Fortan wurde das Pferd als Arbeitstier genutzt und oftmals ausgenutzt.
Mit der zunehmenden Technisierung im Transportwesen, in der Landwirtschaft und auch in der Kriegsführung, begann für das Pferd eine grundlegend neue Ära. Seit mehreren Jahrzehnten teilt das Pferd nicht mehr die Arbeit, sondern die Freizeit mit dem Menschen.
Der Stellenwert des Pferdes in der Kulturgeschichte bleibt jedoch nach wie vor sichtbar. In vielen Staats und Länderinsignien ist das Pferd als Wappentier dargestellt. Die über Jahrhunderte währende, umfangreiche Darstellung des Pferdes in der Kunst belegt einmal mehr seine herausragende Bedeutung für den Menschen.
Zahlreiche Skulpturen, Stiche und Gemälde offenbaren ebenso wie die Lektüre der einschlägigen Literatur von der Antike bis zur Neuzeit den hohen Ausbildungsgrad, den der Reiter mit seinem Pferd erreichte. Wenngleich der Ausbildungslehre zeitgeistbedingte Irrtümer unterliefen, so hat doch ein großer Teil aller Reitlehren auch heute noch in wesentlichen Punkten Gültigkeit. Die Werke großer Ausbilder von Xenophon bis Steinbrecht, also von 400 v. Christus bis ins 20. Jahrhundert, belegen dies anschaulich.
Heute, kurz vor dem Ende dieses Jahrtausends, ist das Verhältnis
zwischen Mensch und Pferd von partnerschaftlichem Miteinander in Sport
und Freizeit geprägt. Ob Zucht, Haltung, Breiten? oder Leistungssport,
alle Bereiche nehmen einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert ein,
der auch in der wirtschaftlichen Bedeutung zum Ausdruck kommt. Rund
600.000 Pferde und mehr als eine Million Züchter, Reiter, Fahrer
und Voltigierer repräsentieren eine Wirtschaftskraft mit Umsätzen
in Milliardenhöhe. Allein in Deutschland sind schätzungsweise
über 200.000 Arbeitsplätze direkt von Pferdezucht und Pferdesport
abhängig.
Achtung und Respekt des Menschen vor seinem Sport-, Freizeit- und Arbeitspartner Pferd sowie Verständnis für das Pferd sind die Grundvoraussetzungen für ein harmonisches Verhältnis miteinander.
Verantwortungsvolles Handeln schließt den grundsätzlichen Erhalt der Lebens? und Entwicklungsräume für Pferde aller Rassen ein. Die Rassenvielfalt sollte im Interesse der langfristigen Existenzsicherung aller Bereiche der Pferdezucht und des Pferdesportes gewahrt bleiben.
Der Pferdezüchter, -kalter und -sportler ist nicht nur für
sich selbst, sondern in ganz entscheidendem Maße für das
ihm anvertraute Lebewesen verantwortlich. Insofern ist der Pferdesport
mit keiner anderen
Sportart zu vergleichen. Reiter, Fahrer und Voltigierer, die ihre Sportart
in der Öffentlichkeit repräsentieren, sind den Gesetzen der
Fairneß verpflichtet. An den Pferdesportler werden noch höhere
Maßstäbe angelegt.
Der Züchter wie auch der Sportler muß sein Handeln stets am Wohlergehen des Pferdes orientieren und darf sich nicht in Abhängigkeit von wirtschaftlichen Interessen begeben, wenn diese zu Lasten des Pferdes und dessen Entwicklung gehen. Dies gilt insbesondere für den Leistungssportler.
Die Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes, des Züchters,
Pferdehalters und Sportlers offenbaren sich nicht im Denken. Sie werden
erst im Handeln des Menschen sichtbar und wirksam.
Der Mensch wird nicht an der bloßen Tatsache gemessen, daß
er das Pferd als Teil der Schöpfung, als ein Stück Natur,
als Freizeit-, Arbeits- und Sportpartner erhält, sondern vor allem
daran, wie er diese Aufgabe erfüllt.
Tierliebe allein reicht für die Betreuung eines Pferdes nicht
aus. Falsch verstandene Tierliebe kann nachteilig für die Entwicklung
des Pferdes sein.
Bei aller züchterischen Einflußnahme des Menschen auf das
Pferd darf nicht vergessen werden, daß die grundlegenden Bedürfnisse
aller Pferde (unabhängig von ihrer Rasse) nach Bewegung, Luft,
Licht und Kontakt zu den Artgenossen unverändert bestehen.
Der gesamte Organismus des Pferdes ist auf Bewegung und kontinuierliche Futteraufnahme eingestellt. Pferde, die ganztägig auf der Weide gehalten werden, verbringen viele Stunden am Tag mit der Futteraufnahme und legen während dieser Zeit große Strecken zurück. Auch darf nicht vergessen werden, daß das Pferd in Schrecksituationen als Fluchttier reagiert. Die lebensnotwendigen Instinkte des einstigen Steppentieres haben den Jahrtausende langen Prozeß der Domestizierung überdauert.
Während das Wissen um das Fluchttier Pferd starken Einfluß auf dessen Ausbildung und Einsatz hat, kommt in der Haltung den Kenntnissen über die Bedürfnisse des Pferdes nach Bewegung, Licht, Luft und Sozialkontakten größte Bedeutung zu.
Der verantwortungsbewußte Züchter, Pferdehalter und Sportler muß für ausreichende, möglichst tägliche Bewegung des Pferdes sorgen ? auch auf der Weide oder zumindest in einem Auslauf. Nur ganz wenige, unausweichliche Zwänge gebieten, von dieser Regel abzuweichen.
Zugleich muß das Pferd in einem gut belüfteten Stall untergebracht sein, dessen Klima gemäßigt den Außentemperaturen folgt. Dunkle Ställe ohne natürliche Lichtquellen sind ebenso abzulehnen wie isolierte Einzelboxen, die dem Bedürfnis des Herdentiers nach Kontakt zu den Artgenossen nicht entsprechen.
Die Fütterung des Pferdes soll sich individuell an der Haltungsform,
dem Entwicklungszustand, der Konstitution sowie am Maß der Beanspruchung
des Pferdes orientieren.
An den Züchter werden hohe Anforderungen gestellt. Neben der sorgsamen
Haltung der Mutterstute und Aufzucht des Fohlens hängt das psychisch
wie physisch gesunde Heranwachsen des Jungpferdes in hohem Maße
von seinem verantwortungsbewußten Handeln ab. Schaffen der Züchter
oder Rufzüchter nicht die richtigen Rahmenbedingungen für
eine gesunde Entwicklung des Pferdes mit viel Bewegung, Licht, Luft,
Kontakt zu seinen Artgenossen in der Herde und schließlich menschlicher
Fürsorge, sind beim späteren Reit?, Fahr? und Voltigierpferd
körperliche oder psychische Probleme nicht auszuschließen.
Jedes Pferd hat den gleichen Anspruch auf fürsorgliche Pflege und
pferdegerechte Haltung. Die Rassenvielfalt ist im Sinne der Vielseitigkeit
von Pferdezucht und Pferdesport langfristig zu sichern.
Wirtschaftliche Interessen des Züchters, Rufzüchters und Hengsthalters
dürfen nicht zu Lasten der Haltung und natürlichen körperlichen
Entwicklung des jungen Pferdes gehen.
Auch für den Pferdesportler gilt: Ehrgeiz und Erfolgsstreben sind dem Wohlbefinden des Pferdes unterzuordnen. Nur das gut ausgebildete und gehaltene Pferd, das psychisch und körperlich gesund ist, wird den Anforderungen im Breiten? wie im Turniersport gewachsen sein. Der verantwortungsbewußte Pferdehalter und ?sportler beobachtet deshalb stets die Verfassung seines Pferdes und leitet bei negativen Veränderungen geeignete Schritte ein.
Das Streben des Sportlers nach Sieg und Plazierung muß hinter der Gesundheitsvorsorge und Gesunderhaltung des Pferdes zurückstehen.
Der Gesundheitsvorsorge und Gesunderhaltung des Pferdes muß auch
der Freizeit? und Breitensportler höchste Bedeutung beimessen.
Es gilt daher, das Wissen um die Bedeutung des Pferdes und seiner Wesensmerkmale als wichtiges Kulturgut der Menschen zu verdeutlichen.
Jeder Einzelne, der sich mit dem Pferd beschäftigt, ist zu verantwortungsbewußtem Umgang mit dem Pferd verpflichtet. Jeder, der aufgrund seines Amtes (z.B. Reitausbilder) eine Multiplikatorenfunktion einnimmt, ist verpflichtet, im Sinne des Pferdes entsprechend den Ethischen Grundsätzen zu handeln. Er muß diese Handlungsweise der Jugend vorleben und für die Weitergabe an kommende Generationen sorgen. Besonders der Funktionär im Pferdesport und in der Pferdezucht trägt Verantwortung für die Umsetzung der Ethischen Grundsätze.
Die Verbandsorganisation von Pferdezucht und ?sport schafft Rahmenbedingungen,
in denen ein vertrauensvolles Miteinander von Mensch und Pferd in Sport
und Freizeit sowie in der Zucht gedeihen soll. Die entsprechenden Regelwerke
der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) ? Richtlinien für
Reiten und Fahren, Ausbildungs? und Prüfungsordnung (APO) und Leistungsprüfungsordnung
(LPO) ? müssen auf diesen Ethischen Grundsätzen basieren.
Der Anfänger im Pferdesport lernt bei fachlicher Anleitung durch
Lehrkräfte, Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen
zu übernehmen und die natürlichen Verhaltensweisen des Pferdes
zu respektieren. Deshalb sucht der Reiter Fehler nicht zunächst
beim Pferd, sondern bei sich selbst. Mangelnde Selbstbeherrschung, Ungeduld
und Aggressionen wirken sich negativ aus. Sie führen nachhaltig
zu einer Störung in der Harmonie zwischen Mensch und Pferd und
können Schäden bei dem Pferd verursachen.
Dem Gedanken der Fairness kommt im Pferdesport größte Bedeutung
zu. Fairness umschreibt freilich nicht nur faire Haltung des Menschen
zum Pferd, sondern zugleich den rücksichts? und verantwortungsvollen
Umgang der Menschen untereinander.
Toleranz und Rücksichtnahme sind die Grundvoraussetzung für die gemeinschaftliche Ausübung des Pferdesports.
Verantwortung schließt zugleich das aktive Teilhaben an der Sportausübung des anderen Menschen ein. Dem Anderen in schwierigen Situationen zu helfen sollte ebenso selbstverständliche Verpflichtung des Pferdefreundes sein wie einzuschreiten, wenn ein Sportkamerad Verantwortungsbewußtsein einem Pferd gegenüber vermissen läßt.
Wenngleich der Pferdesport weitgehend ein Individualsport ist, so entwickelt
sich aus der gemeinschaftlichen Verantwortung das Gruppenerlebnis, dessen
pädagogischer Wert nicht hoch genug anzusiedeln ist. Der Schulsport
Reiten und Voltigieren macht sich die pädagogischen Möglichkeiten
des Pferdes erfolgreich zunutze. Das Gefühl beispielsweise der
Jugendlichen, in einer Gruppe von Pferdefreunden einen festen Platz
einzunehmen, festigt die gesamte Persönlichkeit des jungen Menschen.
Im Prozeß des Erwachsenwerdens führt das Gruppenzugehörigkeitsgefühl
zur Entwicklung von Verantwortungsbewußtsein für den Mitmenschen
und das Pferd, stärkt die Toleranz anderen gegenüber, verringert
die Gefahr von Fehlentwicklungen und erleichtert die gesellschaftliche
Integration. Der Pferdesport
bietet Gruppenerlebnisse nicht nur in der Vereinsarbeit, im Reitunterricht
sowie im breiten? wie leistungssportlich orientierten Mannschaftswettkampf.
Auch das gemeinschaftliche Reiten in der Natur hat einen pädagogischen
Wert. Es trägt dazu bei, daß sich der einzelne in die soziale
Gemeinschaft der Menschen, die sich in der Natur aufhalten, rücksichtsvoll
einzugliedern lernt.
Das Pferd gibt dem Menschen ein Stück verlorener Natur zurück.
Insbesondere in Ballungsgebieten, in denen jungen Menschen ohne oder mit nur wenig Kontakt zu Landwirtschaft und Tierhaltung aufwachsen, schafft der Umgang mit dem Pferd Bewußtsein für Natur und auch Natürlichkeit.
Die Notwendigkeit, sich als Reiter oder Voltigierer auf die Bewegung
des Pferdes einzustellen, fördert die motorische und emotionale
Anpassungsfähigkeit des Menschen. Der Sportler lernt im Laufe der
Ausbildung die eigenen körperlichen Möglichkeiten besser zu
erkennen und einzuschätzen. Das Therapeutische Reiten beruht weitgehend
auf dem Bewegungserlebnis mit dem Pferd. Die Hippotherapie als krankengymnastische
Behandlungsmethode vermittelt dem behinderten Menschen nicht nur die
Wärme des Pferdekörpers, sondern vor allem ein Bewegungsgefühl,
das er in seinem Alltagsleben nicht erfährt. Der Verhaltensauffällige
oder psychisch Kranke, der am heilpädagogischen Reiten und Voltigieren
teilnimmt, begreift die Zuneigung des Pferdes, die Übernahme von
Verantwortung für ein anderes
Wesen, die Auseinandersetzung mit eigenen Ängsten und fehlendem
Selbstvertrauen als wichtige und häufig lebensverbessernde Erfahrung.
Schließlich findet der behinderte Mensch, der Reiten als Sport
ausübt, die Integration in die Gemeinschaft aller Reiter und Fahrer
und die wichtige Anerkennung seiner Leistung.
So lange der Mensch den Pferdesport ausübt, besteht die Verpflichtung zur Aus? und Fortbildung.
Das Ziel aller Ausbildung ist nicht das Beherrschen schwieriger Übungen, sondern die harmonische Übereinstimmung zwischen dem Menschen und seinem Pferd, unabhängig davon, ob das Pferd leistungs- oder breitensportlich orientiert eingesetzt wird.
Vom Menschen erfordert die Ausbildung eines Pferdes viel Erfahrung und Geduld. Nur der genügend erfahrene Sportler sollte sich der Ausbildung des jungen Pferdes widmen.
Maßstab der richtigen Ausbildung ist die Bereitschaft, die das Pferd zur Mitarbeit zeigt. Diese Bereitschaft ist nur zu erzielen, wenn die Individualität des Pferdes erhalten bleibt und der besondere Charakter jedes einzelnen Pferdes respektiert wird. Ein in seiner Individualität und seinem gesamten Wesen eingeengtes Pferd ist nicht in der Lage, sportliche Leistungen auf Dauer zu erbringen.
Selbstkritik des Menschen ist im Umgang mit dem Pferd die Voraussetzung für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Pferd.
Fehlentwicklungen in der Gymnastizierung, Aus? und Fortbildung des
Pferdes verursacht der Mensch. Vermeintliche charakterliche Mängel
des Pferdes gehen oft auf falsche Behandlung des Pferdes zurück
und dürfen zwar als Erklärung, nicht aber als Entschuldigung
für das Scheitern einer Beziehung zwischen Mensch und Pferd herangezogen
werden. Der Zucht verdanken wir infolge gezielter Selektion heute fast
ausschließlich Pferde ohne schwerwiegende Exterieur? und Interieurfehler.
Ein hohes Maß an Rittigkeit prägt das moderne Warmblutpferd.
Probleme in der Ausbildung werden in der Regel weniger durch angeborene
Mängel verursacht, als durch fehlerhafte Einwirkung des Reiters.
Die Beanspruchung des Pferdes im Sport darf nur im Einklang mit der psychischen und physischen Konstitution des Pferdes erfolgen. Unsachgemäße Vorbereitung und Überforderung im Einsatz von Pferden führen zu Verschleiß und einer frühzeitigen Unbrauchbarkeit.
Zur häufigsten mißbräuchlichen Leistungsmanipulation zählt die medikamentöse Beeinflussung, insbesondere das Doping. Die Bewertung von Doping im Pferdesport ist im Vergleich zu anderen Sportarten unterschiedlich. Während in Sportarten ohne den Partner Pferd Doping zunächst als Betrug des Sportlers an seinem Gegner und am Publikum beurteilt wird, ist Doping im Pferdesport vorrangig ein Verstoß gegen die Normen des Tierschutzes.
Die aus falschem Ehrgeiz und wirtschaftlichen Interessen vorgenommene
Manipulation des Pferdes ist mit den Ethischen Grundsätzen niemals
in Einklang zu bringen.
Am Ende einer Beziehung zwischen Mensch und Pferd beweist sich das
Verantwortungsbewußtsein dem Lebewesen Pferd gegenüber. In
der Abwägung zwischen Leid und Leben muß der Mensch auch
diese letzte Entscheidung übernehmen.
o Jeder Pferdefreund, Züchter, Halter und Sportler trägt ein
hohes Maß an Verantwortung für das Lebewesen Pferd. Der Pferdefreund
muß sich verpflichten, die Bedürfnisse des Pferdes in besonderer
Weise zu wahren und das Pferd vor Ausnutzung in Zucht und Sport zu schützen.
Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd wird daran gemessen, wie der
Mensch das Pferd behandelt.
Die vorliegenden neun Ethischen Grundsätze sowie deren Erläuterungen sollen dem Ziel dienen, in Zeiten eines Wertewandels das Bewußtsein des Menschen für die besondere Verantwortung dem Pferd gegenüber zu schärfen. Diese Sätze sind ebenso Aufforderung für jeden Züchter, Halter und Sportler, sein Handeln zu überdenken und im Rahmen seiner Möglichkeiten an der Umsetzung zu arbeiten.
Jeder Pferdefreund wird für die Verwirklichung der Ethischen Grundsätze eigene Wege finden müssen. Zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen und Lebensbereiche, um einfache, allgemeingültige Lösungsmöglichkeiten aufzeigen zu können.
Diese Ethischen Grundsätze basieren auf vorhandenen traditionellen
Werten und versuchen, Orientierungshilfen für ein vertrauensvolles
Miteinander von Mensch und Pferd in der heutigen Zeit zu geben. Das
vorliegende Papier ist nicht abgeschlossen und läßt sich
um weitere Aspekte in der Beziehung Mensch?Pferd vertiefen. Die Fortschreibung
und Differenzierung muß verfolgt werden.
Die vorliegenden neun Ethischen Grundsätze sowie deren Erläuterungen sollen dem Ziel dienen, in Zeiten eines Wertewandels das Bewußtsein des Menschen für die besondere Verantwortung dem Pferd gegenüber zu schärfen. Diese Sätze sind ebenso Aufforderung für jeden Züchter, Halter und Sportler, sein Handeln zu überdenken und im Rahmen seiner Möglichkeiten an der Umsetzung zu arbeiten.
Jeder Pferdefreund wird für die Verwirklichung der Ethischen Grundsätze eigene Wege finden müssen. Zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen und Lebensbereiche, um einfache, allgemeingültige Lösungsmöglichkeiten aufzeigen zu können.
Diese Ethischen Grundsätze basieren auf vorhandenen traditionellen
Werten und versuchen, Orientierungshilfen für ein vertrauensvolles
Miteinander von Mensch und Pferd in der heutigen Zeit zu geben. Das
vorliegende Papier ist nicht abgeschlossen und läßt sich
um weitere Aspekte in der Beziehung Mensch?Pferd vertiefen. Die Fortschreibung
und Differenzierung muß verfolgt werden.